Nur ein paar Zeilen:
Es stand am Montag, dem 11.Februar in der BZ, Seite 23 oben links:
"Suche nach 87-Jährigem…. ".
Kein Vergleich zu den ausführlichen Analysen im Sportteil ein paar Seiten vorne dran, die eine Antwort auf die Frage suchen, warum es der SC in Paderborn nicht geschafft hat. Kein Wort über die Ängste der Angehörigen - über die möglichen Selbstvorwürfe -hätte man nicht besser aufpassen können. Nur ein Satz über die Staffel.
Der Piepser, dieser kleine schwarze Kasten der hat das Leben doch ein wenig verändert - immer auf dem Sprung, 24 Stunden am Tag, 52 Wochen im Jahr. Er fing gegen 22:30 Uhr an zu kreischen. Vorbei der gemütliche Fernsehabend oder die Feier zum runden Geburtstag, rein in die Einsatzklamotten, die warme Unterhose nicht vergessen. Es kann mehrere Stunden gehen und das Thermometer wird die 0 Grad nicht erreichen. Einsatzrucksack packen, den Hund, friedlich dösend in der Ecke, wach schütteln und anleinen. 60 min bis zum Einsatzort, das ist die Vorgabe der Staffelleitung. Das gilt für jedes, der im flächenmäßig größten Landkreis Deutschlands, dem Ortenaukreis, ganz verstreut wohnenden Staffelmitglieder. Das stimmt nicht ganz, eines wohnt sogar in Karlsruhe. Sie kommt gerade mal 10 Minuten später.
Warum kommen Hundeführer von so weit her zur
Rettungshundestaffel nach Offenburg?
Weil die so verdammt gut ist.
- So viel Selbstvertrauen sei erlaubt: 9 geprüfte Rettungshunde, jeder
mindestens 2 Jahre ausgebildet. Aber auch Herrchen und Frauchen werden umfassend
geschult: großer Erste Hilfekurs, San A, San B, Funkkurs und Einsatztaktik - das
Minimum. Einsatzleiter, Ausbilder und Staffelleiter bekommen noch einiges
draufgepackt.
90 Tage im Jahr unterwegs, Training, Vorführungen, Infostände und
Einsätze, locker 350 Stunden im Jahr. Während andere vorm Fernseher liegen.
Die Isoliermatte, die dem alten Mann, nachdem er stark unterkühlt aus dem Wald gerettet worden ist, umgelegt wird, selbst bezahlt, wie auch das immer teurer werdende Benzin für die etwa 50.000 km, die die Staffelmitglieder jedes Jahr so runterreißen. Das neue 20 Jahre alte Staffelfahrzeug durch Einnahmen und Spenden an unseren Infoständen finanziert. Viele in der Weihnachtszeit, wenn andere Plätzchen backen oder einen Glühwein trinken, das macht stolz, aber auch traurig.
Warum wird unsere Arbeit so wenig anerkannt? Warum macht man das überhaupt? Weil man bekloppt ist? - Eigentlich ja, im positiven Sinne bekloppt, die Glücksmomente, wenn man den Pullover bekommt mit dem eingenähten "Rettungshundestaffel Offenburg". Er wird besonders sorgfältig gebügelt. Wenn die 6 Monate Probezeit um sind und man zum ersten Mal in die Kameradschaftskasse zahlt. Kameradschaft?? Nein es ist mehr - wie eine Familie - jeder muss sich auf den anderen verlassen können - aber es kracht auch mal ordentlich - wie es halt so ist, wenn man emotional stark verbunden ist.
Dann die rote Einsatzjacke - liebevoll "Kittel" genannt mit dem gestickten Namensschild, allerdings ablösbar durch ein Klettband, nichts ist für ewig auf dieser Welt. Der erste Spielkreis. Der Hund nimmt das Wienerle nur, wenn es gepellt ist. Man könnte heulen. Irgendwann kapiert er’s läuft freiwillig hin. Das "Opfer" führt sich auf wie ein Kasper – tatsächlich - der Hund bellt. Man strahlt vor Glück. Anzeigen „offen“, „versteckt“, die erste kleine Suche, der Prüfungsstress, fast noch schlimmer als früher in der Schule.
Einsätze wie der letzte geben dem ganzen einen Sinn. Ein Menschenleben gerettet – wahrscheinlich. Man muss seinen Weg gehen, richtig entscheiden wie unsere Einsatzleitung, überhören das Geschwätz derer, die alles besser wissen: "Dort unten haben wir alles abgesucht, da oben, nur da oben kann er sein" - und trotzdem haben wir unten gesucht. Zu recht! Polizisten sind ebenfalls vor Ort, bestens ausgebildet und ausgestattet. Doch selbst die beste Technik in Form eines knatternden Hubschraubers mit Wärmebildkamera kommt an Ihre Grenzen. Auch Sie spüren den Druck. Die ganze Spannung löst sich. Von den überglücklichen Angehörigen wird warmer Kaffee angeboten und Kuchen, fröhliches Lachen löst die panische Angst ab. Ein Bier wird getrunken, auch uns angeboten. Wir lehnen ab. Obgleich es sicherlich gut schmecken würde, aber Rotkreuzjacke und Bier - das passt einfach nicht und der wärmende Kaffee tut auch gut. Einsatzende? Noch nicht ganz. Die beiden Enkel sitzen mit am Tisch, irgendwie ist alles eine große Gemeinschaft und unter dem Tisch – „boah - ein echter Rettungshund“. Ein Bombardement an Fragen prasselt auf uns nieder. 2 Uhr nachts - aber es tut gut - echtes Interesse an unserer Arbeit. Noch ne Tasse Kaffee: „wir machen mal ne Übung und Du darfst dich von unseren Hunden suchen lassen“. Ein Kinderherz ist glücklich, wie Weihnachten und Ostern zusammen. Das Telefon klingelt - das Krankenhaus: „Welche Medikamente müssen wir geben?“ Für uns Zeit zum Gehen - ein letzter herzlicher Händedruck - die Fahrt nach Hause - ins Bett - schlafen? - nein, zuviel Koffein im Körper und zuviel Adrenalin, die Aufregung - Gott sei Dank - morgen ist Sonntag - ein bisschen Ausschlafen.
… es steckt viel dahinter,
hinter so ein paar Zeilen !!!
Ein paar Gedanken zu unserem Einsatz vom 09.02.2008 von Bernd Theobald